Der Reformist und
Schriftsteller Melchior Hofmann predigte im 16. Jahrhundert die
Theologie Martin Luthers, vertrat die apokalyptische Denkweise der
Eschatologen und gehörte zuletzt zu den bekanntesten Demagogen der
Täuferbewegung. Melchior Hofmann wurde um 1500 in Schwäbisch Hall
geboren und verstarb 1543 in Straßburg. In jungen Jahren erlernte er
das Handwerk eines Kürschners (Verarbeitung von Tierfellen), womit er
auf seinen Reisen als Prediger seinen Lebensunterhalt verdiente. Dem
katholischen Christentum abgeneigt orientiert er sich an den
reformatorischen Theologien, lernte die Ansichten Martin Luthers kennen
und beteiligte sich an Disputationen in Livland, Schweden und Dänemark.
Im Jahre 1523 begann er als ungelernter Theologe in Wolmar/ Livland die
lutherische Botschaft der Glaubensgerechtigkeit zu verkünden, kündigte
aber gleichzeitig das Jüngste Gericht derer an, die sich an den
Grundsätzen der römisch-katholischen Kirche orientierten. Er prangerte
vor allem den geistlichen Stand der katholischen Kirche und ihre
Vertreter wie Fürsten, Ordensritter, Mönche und Nonnen an. Der
Herrmeister des Deutschen Ordens von Wolmar „Wolter von Plettenberg“
vertrieb Melchior Hofmann aus dem Land. Im Jahre 1525 begegnete er in
Wittenberg Martin Luther, der ihm nicht nur das Zeugnis erteilte,
sondern auch ein Sendschreiben, in dem Melchior Hofmann sich zu den
lutherischen Dogmen bekundete. Dieses heute noch erhaltene Dokument ist
das älteste Schriftstück von Melchior Hofmann. Mit diesem Zeugnis
erreichte er Reval/Estland, in der Absicht sich als Prediger des
Glaubens niederzulassen, wurde jedoch als Ketzer wieder vertrieben, da
er gleichzeitig die Heiligung des Lebens verherrlichte. In
Dorpat/Estland löste Melchior Hofmann den Dorpater Bildersturm aus, ein
Aufstand, bei dem nicht nur die Bilder von Heiligen zerstört wurden,
sondern auch der Dom, die Kirchen und das bischöfliche Schloss des
Vogts angegriffen wurden. Als Prediger in einer deutschen Gemeinde in
Stockholm veröffentlichte Melchior Hofmann 1526 die zwei Werke „Das
Büchlein vom Jüngsten Tage“ sowie eine Interpretation des 12. Kapitels
des Buches Daniel. Daraufhin untersagt der schwedische König Gustav I.
Wasa „vor dem gemeinen Haufe“ zu predigen.
Auch fand Melchior Hofmann in Magdeburg den gesuchten Gleichgesinnten
nicht in Nikolaus von Amsdorf, dem späteren Ersten deutschen
lutherischeren Bischof von Naumburg. König Friedrich I von Dänemark und
Norwegen gestattete, Melchior Hofmann in ganz Holstein als
Laienprediger zu dienen. Aufgrund seiner apokalyptischen Reden und
Ansichten über die Abendmahlslehre berief der König auf Empfehlung
Luthers am 08. April 1929 im Flensburger Franziskanerkloster eine
Disputation ein, bei der Melchior Hofmann die leibliche Gegenwart
Christi beim Abendmahl abstritt. Daraufhin wurden Hofmann und seine
Anhänger vom Land ausgewiesen. Melchior Hofmann entsagte nach und nach
der Theologie Martin Luthers und vertrat mit seinen apokalyptischen
Theorien die Eschatologie, in der er sich selbst als einer der
endzeitlichen Zeugen in der Offenbarung des Johannes Kapitel 11
betrachtete.
Ab dem Jahre 1529 wandte Melchior Hofmann sich in Straßburg dem
Täufertum zu und forderte die Ebenbürtigkeit der Anabaptisten mit der
Staatskirche, woraufhin ihm ein Haftbefehl zuteilwurde. Auf der Flucht
nach Ostfriesland etablierte Melchior Hofmann sich erstmals 1530 in
Emden als Anabaptist. Er taufte über dreihundert Ostfriesen und
gründete eine Gemeinde, die heute noch als Mennonitengemeinde
existiert. In dem festen Glauben die Wiedergeburt Christi in Straßburg
zu erleben, kehrte Melchior Hofmann 1533 nach Frankreich zurück.
Unmittelbar nach seinem Eintreffen in Straßburg wurde er verhaftet und
verstarb nach 10 Jahren Gefangenschaft im Jahre 1543. Melchior Hofmann
verfasste in seiner Einkerkerung über 35 Werke. Hauptmerkmal der Täufer
war die Ablehnung der Säuglingstaufe, mit der Begründung eine Taufe sei
ein persönliches Glaubensbekenntnis. Aufbauend auf dem traditionellen
Glauben der Anabaptisten, existieren gegenwärtig reformatorische
Täufergemeinschaften wie die Mennoniten, die Hutterer oder auch die
Amischen.
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